Indien

Hauptstadt: Neu Delhi

Wichtigste Sprachen: Hindi, Englisch

Wichtigste Religionen: Hinduismus (80%), Islam

Nachbarländer: Bangladesch, China, Pakistan, Nepal, Myanmar

Indien und Deutschland im Vergleich
Gesamtfläche: 3.300.000 km² (Deutschland: 357.021 km²)
Einwohner: 1,1 Milliarden (Deutschland: 82 Mio.)
Säuglingssterblichkeitsrate: 62 von 1.000 (Deutschland: 4 von 1.000)
Lebenserwartung: 63,6 (Deutschland: 79 Jahre)
Analphabeten: 28 % (Deutschland: 0,5 %)
Pro-Kopf-Einkommen: 820 $ (Deutschland: 36.620 $)

Landschaft und Klima

Mit einer Fläche von rund 3,3 Millionen Quadratkilometern ist Indien (Hauptstadt: Neu-Delhi) das siebtgrößte Land der Erde und etwa neunmal so groß wie Deutschland. Beim weltweiten Vergleich der Einwohnerzahlen rangiert Indien mit 1,1 Milliarden Einwohnern nach China auf Platz 2. Indien hat mit sechs Staaten eine gemeinsame Grenze: Bangladesch, China, Pakistan, Nepal, Myanmar und Bhutan. Das Klima ist ebenso vielfältig wie die Landschaften. Es umfasst die tropisch heißen und fruchtbaren Ebenen des Ganges, Wüstengegenden, gemäßigte Bergregionen und kalte Hochgebirgslandschaften im Himalaya. Zwischen Juli und September bestimmt der Monsun das Wetter. Starke Regenfälle führen in vielen Regionen zu Überflutungen. Zwischen April und Juni herrscht vielerorts hingegen Dürre.


Geschichte und Bevölkerung

1947 erlangte Indien seine Unabhängigkeit von England. Auf die nicht selbstverständliche Meinungs- und Pressefreiheit sowie auf das funktionierende Rechtssystem ist die indische Demokratie zu Recht stolz. Offizielle Landessprachen sind Hindi und Englisch, 21 weitere Sprachen sind ebenfalls anerkannt, gesprochen werden jedoch noch mehr.
Über 80 Prozent der Inder sind Hindus. Rund 130 Millionen Menschen und damit 13 Prozent der Bevölkerung sind Muslime, etwa 2 Prozent Christen. Während der Unabhängigkeitsbestrebungen fühlten sich viele Muslime nicht genügend repräsentiert und drängten auf einen eigenen muslimischen Staat. Die Briten gaben dieser Forderung nach und entließen 1947 mit Indien auch Pakistan in die Unabhängigkeit. Durch diese Teilung des ehemaligen Kolonialreichs kam es zu blutigen Auseinandersetzungen. Die Zahl der Opfer wird auf bis zu einer Million geschätzt, an die 20 Millionen Menschen wurden vertrieben. Weitere Grenzkonflikte waren unvermeidlich; Pakistan und Indien haben bislang dreimal gegeneinander Krieg geführt. Mittlerweile sind jedoch erhebliche Fortschritte in den indisch-pakistanischen Beziehungen zu verzeichnen. Heute kontrolliert Indien etwa 45 Prozent des umstrittenen Territoriums, während Pakistan etwa 33 Prozent verwaltet.
Das Kastensystem mit zahlreichen Kasten und Unterkasten prägt nach wie vor den Alltag der Menschen und erscheint den meisten Hindus als unverzichtbare sozial-religiöse Ordnung. Nur Angehörige der niedrigsten Kaste (Dalits, ca. 15 Prozent) üben bestimmte „unreine“ Berufe aus, etwa Gerber, Landarbeiter oder Reinigungspersonal. 50 Prozent gehören zur Großkaste der Shudra (Kleinbauern, Handwerker, Tagelöhner, niedrige Dienstleistungsberufe). Die höchste Großkaste, die der Brahmanen (Priester, geistige Berufe), macht etwa 5 Prozent aus. Das Kastensystem der Hindus erschwert den Menschen sozialen Aufstieg und Überwindung der Armut. Die Angehörigen der Dalits wehren sich zunehmend gegen Diskriminierung und extreme Ausbeutung und fordern ein Ende der „indischen Apartheid“. Trotz einiger Sonderprogramme der Regierung hat sich an deren Benachteiligung bisher nicht viel geändert.

Wirtschaft

Indien wird heute nicht mehr als Entwicklungs-, sondern angesichts seines rasanten wirtschaftlichen Fortkommens als Schwellenland bezeichnet. Von 1990 bis 2005 sank der Anteil der Landwirtschaft am Brutto-Inland-Produkt (BIP) von 31 Prozent auf 19 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil des Dienstleistungssektors von 41 auf 54 Prozent. Ungeachtet dieser Entwicklung zählt Indien auch heute noch zu den weltweit größten Agrarproduzenten. Wichtige landwirtschaftliche Produkte sind neben Reis und Weizen Zuckerrohr, Tee, Baumwolle und Jute. Die Produktion muss der ständig wachsenden Bevölkerung angepasst werden, und vielerorts sind die landwirtschaftlichen Flächen inzwischen überbeansprucht. Auch kämpfen die Bauern mit ungerechten Handelsbedingungen: ihre Produkte stehen in Konkurrenz zu subventionierter Ware aus dem Ausland. Diese Faktoren verstärkten die „Landflucht“. Viele Menschen suchen in den Städten Arbeit, die niedrigen Löhne reichen jedoch auch in den beengten städtischen Slums kaum zum Überleben. Die Mittelschicht Indiens wächst mit rasanter Geschwindigkeit. Heute gilt Indien als „Backoffice der Weltwirtschaft“. Hier werden Medikamente und Software entwickelt, Callcenter und Finanzdienstleistungen etabliert. Megastädte sind entstanden, die zunehmend unter Umweltproblemen und Verkehrschaos leiden. Bürgerliche Stadtviertel grenzen an Slums. Nach wie vor leben rund 70 Prozent der Bevölkerung im ländlichen Raum, der kaum vom wirtschaftlichen Aufschwung profitiert.
In Indien gibt es zwar keine Hungersnöte mehr, die Unterernährung ist jedoch sehr weit verbreitet (20 Prozent der Gesamtbevölkerung). Indien ist angesichts seiner hohen Bevölkerungszahl auch heute noch das Land mit den meisten Armen in der Welt: 300 Millionen Menschen (28 Prozent) sind in Indien von „absoluter Armut“ (nach Definition der Weltbank Anteil der Bevölkerung, der mit weniger als umgerechnet einem US-Dollar pro Tag auskommen muss) betroffen – mehr als auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. Der Kampf gegen die Armut ist eine der größten Herausforderungen für das moderne Indien. Dazu wurde eine Vielzahl von Reformen und Programmen zur Armutsbekämpfung auf den Weg gebracht. Die Regierung hat 2005 ein breit angelegtes Beschäftigungsprogramm beschlossen, das bis 2010 in ganz Indien umgesetzt werden soll.


Bildung und Gesundheit

Die Analphabetenrate Indiens ist mit 39 Prozent eine der höchsten der Welt. Zwar steigt die Einschulungsrate seit Jahren kontinuierlich, doch immer noch brechen viele Kinder vorzeitig die Schule ab, weil viele arme Familien nicht für die Schulnebenkosten, etwa für Bücher, aufkommen können. Auch müssen viele Kinder immer noch durch ihre Arbeitsleistung zum Familieneinkommen beitragen.
Obwohl schon mit Indira Ghandi eine Frau Premierministerin war und Frauen aus höheren Schichten durchaus in anerkannten Positionen arbeiten, sind viele Frauen aus niedrigeren Gesellschaftsschichten stark benachteiligt. Jede zweite Inderin ist Analphabetin. Schon seit Jahrzehnten gibt es in Indien außerdem mehr Männer als Frauen, weil weibliche Föten häufiger abgetrieben oder Mädchen gesundheitlich vernachlässigt werden. Diese Probleme hängen auch mit der Mitgift-Tradition zusammen; die Verheiratung mehrerer Töchter kann für eine Familie den finanziellen Ruin bedeuten.
Sowohl in den städtischen als auch in den ländlichen Armutsgebieten sind die hygienischen Bedingungen wie Wasser- und Abwasserversorgung meist unzureichend. Krankheiten wie Tuberkulose und Malaria können sich leicht ausbreiten. Auch das Gesundheitssystem weist erhebliche Mängel auf. Zwar konnte Indien in den letzten 25 Jahren die durchschnittliche Lebenserwartung um 13 Jahre erhöhen und die Kindersterblichkeit nennenswert senken, die gesundheitliche Verfassung der Menschen unterscheidet sich jedoch abhängig von Region, sozialem Status und Geschlecht noch immer stark.

World Vision in Indien

World Vision Deutschland führt in Indien die Regional-Entwicklungsprojekte Daryapur, Mannargudi und Omerga durch.

Zurzeit vermitteln wir keine weiteren Patenschaften in Indien.

Weiterführende Informationen:

Regional-Entwicklungsprojekt Daryapur (PDF, 4 S.)  

Regional-Entwicklungsprojekt Mannargudi (PDF, 4 S.)  

Regional-Entwicklungsprojekt Omerga (PDF, 4 S.)  
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