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Haiti: Wiederaufbau wird ein Marathon - Spenden ermöglichen verlässliche Hilfe und langfristige Perspektive
Sechs Monate nach dem Erdbeben in Haiti ist die Lage für Hunderttausende Menschen immer noch schwierig, es gibt aber Erfolge. Die Hilfsorganisation World Vision - seit rund 30 Jahren im Land tätig - hat seit der Katastrophe am 12. Januar 2010 zigtausenden Familien rund um Port-au-Prince geholfen. Die Nothilfephase wird noch einige Monate weitergehen, während der Wiederaufbau sorgfältig geplant wird und in einigen Regionen schon läuft.
Einen ausführlichen Bericht zur inernationalen Hilfe von World Vision finden Sie unter
www.wvi.org
, eine Zwischenbilanz des Bündnisses Aktion Deutschland Hilft unter
www.aktion-deutschland-hilft.de
Unmittelbar nach dem Erdbeben, bei dem mehr als 220.000 Menschen getötet wurden und rund 1,5 Millionen ihre Häuser und Besitztümer verloren, leisteten die World Vision-Mitarbeiter humanitäre Hilfe. Sie versorgten Betroffene mit sauberem Trinkwasser, Lebensmitteln und wichtigen Utensilien wie Decken, Kleidung, Medikamenten und mehr.

Aktuell leben immer noch mehr als 500.000 Menschen in Zeltlagern . Im gesamten Erdbebengebiet gibt es rund 260 registrierte Zeltsiedlungen. Ziel ist es, den Betroffenen langfristig wieder eine feste Unterkunft, ein eigenes Einkommen und eine Perspektive zu verschaffen.
Dank der großen Hilfs- und Spendenbereitschaft aus Deutschland und der ganzen Welt kann World Vision die Haitianer bei der Verbesserung ihrer Lebensumstände unterstützen und sich längerfristig engagieren, damit sie eine Perspektive bekommen.
Kinderschutz und Kleinkindförderung
World Vision hat an 22 Orten im Erdbebengebiet Kinderbetreuungszentren eingerichtet. Hier kümmern sich die Mitarbeiter jede Woche um etwa 7.700 Kinder. Die Mädchen und Jungs spielen, singen und malen, um ihre schrecklichen Erlebnisse spielerisch zu verarbeiten. Zudem lernen sie über Kinderrechte, Hygiene und Umweltschutz. World Vision hilft auch, Familien, die bei der Katastrophe getrennt wurden, wieder zusammenzuführen. Bisher konnten 84 Kinder und ihre Familien vereint werden.
Ernährung
Innerhalb der ersten Monate nach dem Erdbeben hat World Vision rund 1,8 Millionen Menschen mit Nahrungsmitteln versorgt. Gemeinsam mit dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen geben World Vision-Helfer an Schulen Mittagessen aus. Das soll Eltern motivieren, ihre Kinder zur Schule zu schicken.
Gesundheit und medizinische Versorgung
World Vision leistet Aufklärungsarbeit und ambulante medizinische Grundversorgung durch fünf feste und fünf mobile Kliniken. Acht Krankenhäuser in Port-au-Prince erhalten Medikamente und Ausrüstung. In Zusammenarbeit mit UNICEF und dem Gesundheitsministerium stellt World Vision sicher, dass Kinder unter acht Jahren die nötigen Impfungen erhalten. Zusammenkünfte von Mütterclubs und anderen Gruppen werden genutzt, um die Bevölkerung, insbesondere Schwangere und junge Mütter, in Gesundheits- und Ernährungsfragen zu schulen.
Wasserversorgung und Hygiene

Wasser- und Sanitärversorgung waren in den zerstörten Stadtteilen und den provisorischen Unterkünften ein großes Problem, erfordern auch jetzt noch viel Aufmerksamkeit. World Vision installierte große Wassertanks und liefert jede Woche rund zwei Millionen Liter sauberes Trinkwasser an 23 Notlager im Erdbebengebiet. An 17 Standorten wurden Toiletten und Duschen errichtet, um die Hygiene-Situation zu verbessern. Die Bewohner beteiligen sich an den Arbeiten zur Erhaltung der Anlagen. Sie bekommen auch die Möglichkeit, in „Cash-for-work“-Programmen Kanäle und Drainagen zu graben, um ihre Unterkünfte vor Überflutungen zu schützen.
Schulbildung und Frühförderung
Informelle Lernangebote für Kinder sind im Augenblick sehr wichtig, da längst nicht alle Schulen wieder funktionsfähig sind und viele Kinder aus verschiedenen Gründen keine Schule erreichen können. Noch größer ist der Mangel an Vorschulangeboten. In Absprache mit der Regierung konzentriert sich World Vision daher auf Angebote für 3 bis 8-jährige. Hierfür werden Einheimische zu Erziehern ausgebildet und Frühförderzentren eingerichtet.
Einkommen schaffen
Um die Haitianer zu beteiligen und ihnen ein eigenes Einkommen zu ermöglichen, führt World Vision sogenannte „Cash-for-work“-Programme durch. Etwa 10.000 Menschen bekommen derzeit die Möglichkeit, gegen Bezahlung Schutt wegzuräumen, Müll einzusammeln, Unterkünfte zu errichten und instand zu halten und Abwasserkanäle gegen Überflutungen zu graben.
Stabile Übergangsunterkünfte
Die Umsiedlung von Hunderttausenden, die zurzeit in Zelten oder mit Planen abgedeckten Brettverschlägen leben, ist eine der größten Herausforderungen. World Vision und andere internationale Hilfsorganisationen bemühen sich gemeinsam mit der haitianischen Regierung und den Vereinten Nationen, die Menschen durch die Hurrikan-Saison zu bringen und gleichzeitig mittel- und längerfristige Lösungen für die vielen obdachlos gewordenen Menschen zu finden. Zunächst müssen aber wichtige Fragen geklärt werden. Besonders schwierig ist die Landfrage. Hier ist die Regierung Haitis gefordert. Baumaterial ist immerhin angeliefert und soll zunächst für den Bau von rund 800 Übergangshäusern in Corail und La Gonave eingesetzt werden.
Zwischenbilanz
So schrecklich das Erdbeben war, es kann auch eine Chance für Haiti bedeuten. Wenn die verschiedenen Wiederaufbaumaßnahmen von allen Akteuren aufeinander abgestimmt werden, kann das Haiti in seiner Entwicklung extrem nach vorne bringen. Abstimmungsprozesse sind wichtig, benötigen jedoch Zeit - besonders in einem Land, in dem der größte Teil der Hauptstadt zerstört wurde, und mit ihr die meisten Regierungseinrichtungen und die wenige Infrastruktur.
Ausblick
World Vision wird in den nächsten Jahren darauf hinarbeiten, dass die Menschen wieder eine Perspektive haben. Dabei liegt der Fokus mittelfristig auf den Bereichen: Wiederaufbau von Schulen und Kliniken, Bau von Übergangshäusern, Kinderschutz, Gesundheitsversorgung, Wasserversorgung, Förderung der Landwirtschaft sowie Einkommen schaffende Maßnahmen. Zu den Programmen zählt auch die Hilfe für traumatisierte Kinder, die Unterstützung für behinderte Kinder, die Einrichtung von Gesundheitsposten, die Förderung von kleinen Unternehmen und Hilfe für Landwirte, damit diese ihre Produkte besser vermarkten können.