Ein Mutter-Kind-Zentrum von World Vision konnte dem schwer unterernährten Baby Herach im Flüchtlingslager in Bangladesch rechtzeitig helfen.

Ein gesünderes Jahr für Herach

Hilfe in Mutter-Kind-Zentren rettet Rohingya-Babies
Erstellt von IrisManner
Fr, 01/05/2018 - 13:28

Für Sajeda hatte das neue Jahr einen guten Start. Mehr als vier Monate nach ihrer Ankunft in Bangladesch kann sie aufatmen. „Mein Baby ist wieder fast das alte - lebhaft, sprudelnd und immer auf der Suche nach Nahrung", sagt sie lächelnd. Wenige Tage vor dem Ende des Jahres 2017 erfuhr sie, dass Harech, ihr 18 Monate alter Sohn, nicht mehr lebensbedrohlich unterernährt ist.

Mütter und schwangere Frauen können sich in einem speziellen Schutz-Raum beraten lassen.

Schwere Monate

Tage nachdem die Familie aus Myanmar geflohen war, bemerkte Sajeda, dass Harech nicht mehr ansprechbar war. Er aß nicht und sein Gewicht sank signifikant. „In Myanmar hat er viel gelacht, aber seit wir hierher gekommen sind, wurde er kränklich und ich dachte, ich würde ihn verlieren", erzählt sie. In ihrer Sorge suchte die Mutter Rat in einem der von World Vision neu eröffneten Schutzräume für Frauen und Kleinkinder. Dort können schwangere Frauen und stillende Mütter in Ruhe zusammen kommen, Zeit mit ihren Kindern verbringen und diese auch untersuchen lassen.  Harech gehörte zu den ersten Kindern, die auf Unterernährung untersucht wurden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schutzräume geben auch Ratschläge wie die Mütter die Ernährung ihrer Babys verbessern und wo sie weitere Hilfe finden können.

Im Flüchtlingslager haben es Eltern sehr schwer, ihre Babies und Kleinkinder ausreichend und gesund zu ernähren. Den meisten Familien fehlt das Geld dafür, so dass sie von Lebensmittel-Spenden der Hilfsorganisationen abhängig sind. Krankheiten wie Durchfall und Diphterie, die sich in den sanitären Anlagen schnell verbreiten, schwächen die Kinder zusätzlich.

„Als sie mir von Harechs Zustand und den damit verbundenen Risiken erzählten, konnte ich nicht gut schlafen", erinnert sich Sajeda. Auch ihr Ehemann Suna, der früher in Myanmar als Gesundheitshelfer für seine Gemeinde tätig war, war deprimiert. Seit der Flucht fühlte er sich hilflos. „Früher habe ich anderen Menschen geholfen, aber ich konnte nicht einmal meinem eigenen Kind helfen“, sagt er. „Ich wusste, dass etwas nicht stimmt, aber wir können ihm nur Reis und Linsen geben, nicht genug, um ihn gesund zu halten. Es war frustrierend für mich, vor allem als Vater. Direkt vor meinen Augen verlor mein Kind seine Kräfte und ich konnte nicht einmal etwas tun."

Flüchtlinge in Bangladesch: Herachs Familie im Zelt

Um Harechs kritischen Zustand zu verbessern, wurde er sofort an ein Zentrum für ambulante therapeutische Ernährungshilfe verwiesen, wo er die notwendige Behandlung erhalten konnte. Seitdem verfolgt das Team seine Genesung.

„Unsere Hilfe endet nicht mit der Untersuchung und Überweisung“, erklärt World Vision-Mitarbeiter Sahadat Hossain.  „Die Nachbereitung ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Programms. Unsere Betreuer achten darauf, dass alle Kinder, bei denen schwere akute Unterernährung diagnostiziert wurde, weiter überwacht werden.“

Die in Cox's Bazar aktiven Hilfsorganisationen tragen auch gemeinsam Daten zur Lage der Kinder zusammen. Mitte Dezember wurden so 18.083 schwer unterernährte Kinder in therapeutische Ernährungszentren aufgenommen. Fast 17.000 Kinder sind aber immer noch behandlungsbedürftig .

Oberarm-Messung bei Kleinkind Herach in Bangladesch
Mutter-Kind-Zentrum im Flüchtlingslager in Bangladesch

Heilung ist ein längerer Prozess 

Fünfundzwanzig Tage nach Beginn der Behandlung von Harech zeigt die Messung des Gewichts und des Oberarms, dass der kleine Junge sich nicht mehr in der roten Zone befindet, also nicht mehr akut unterernährt ist. „Wir sind mit dieser Verbesserung bei Harech zufrieden, obwohl mit der gelben Zone noch nicht das Ziel erreicht ist“, sagt Hossain. „Er ist noch immer von Unterernährung bedroht. Die Familie muss also gut auf ihn achten und sollte dabei unterstützt werden", sagt Hossain.
 

Ein Mitarbeiter von World Vision berät eine Mutter mit Kleinkind im Flüchtlingslager in Bangladesch

Sajeda und Suna haben durch Beratung und die Erfolge der Behandlung gelernt, dass sie trotz ihrer schwierigen Situation mehr für ihre Kinder tun können. „Ich versuche mein Bestes, um den Ratschlägen zu folgen“, beteuert Sajeda. „Ich trinke viel Wasser und versuche, mich gesund zu halten, besonders jetzt, da Harech wieder die Brust annimmt. Ich halte auch unsere Umgebung so sauber wie möglich. Harech lacht wieder und das macht mich glücklich. 2017 war eine harte Zeit für uns, aber mein Kind in einem besseren Zustand zu sehen, macht mir Hoffnung für dieses neue Jahr.“

World Vision hat bisher über 4.000 Mütter und Kinder unter 5 Jahren durch seine Frauen- und Kleinkinderräume erreicht. 
 

Gerettetes Kleinkind: Sajeda freut sich über den besseren Gesundheitszustand ihres Sohnes Herach.