Kinderarbeiter Hemel aus Bangladesch  geht wieder zur Schule

Hemel aus Bangladesch: Täglich 16 Stunden Arbeit

„Ich war wütend, weil ich weiter zur Schule gehen wollte.“
Erstellt von UBauer
Mi, 05/24/2017 - 13:59

Er sieht aus wie ein ganz normales Schulkind. Doch der Eindruck täuscht: Bis letztes Jahr arbeitete der zehnjährige Hemel täglich 16 Stunden in einem Teestand im Norden von Bangladesch.

Hemels hartes Arbeitsleben begann, als seine Eltern finanzielle Schwierigkeiten hatten. Sie nahmen ihn aus der Schule, damit er arbeiten konnte. „Ich war wütend, weil ich weiter zur Schule gehen wollte, aber an meinem Schicksal konnte ich nichts ändern“, erinnert er sich. „Als ich sah, dass meine Freunde zur Schule gingen und ich nicht mit konnte, war ich sehr traurig. Ich fühlte mich, als ob ich es in meinem Leben nie zu etwas bringen würde.“

Hemels Familie in Bangladesch
Kinderarbeiter Hemel und sein Bruder in Bangladesch

Es waren Mitarbeiter von World Vision, die einschritten und die Eltern von Hemel überzeugten, ihren Sohn wieder in die Schule zu schicken. Gemeinsam mit Partnern baut World Vision vor Ort Bildungszentren für arbeitende Kinder auf. Hier werden Grundschulkinder mit angepassten Kursen auf einen regulären Schulbesuch vorbereitet und Bildungsangebote für Schulabbrecher entwickelt. Neben den regulären Schulbüchern gehören auch Gruppenaktivitäten, Spiele, Lieder und Aufenthalt in der Natur zum Unterricht.

Über ein solches Zentrum schafft Hemel den Weg zurück in die Schule. Binte Rubaiya, die das Zentrum leitet, sagt: „Hemel macht gut mit und kommt regelmäßig. Er ist immer pünktlich da und lernt gerne. Er ist gut vorbereitet und hat seine Hausaufgaben rechtzeitig fertig.” Als Schüler dieses Zentrums erhält Hemel, der noch einen Bruder und zwei Schwestern hat, Unterstützung für die Schulmaterialien und eine Spardose, damit er Geld zurücklegt.

Kinderarbeiter Hemel aus Bangladesch mit Schulfreunden
Kinderarbeiter Hemel aus Bangladesch

Rubaiya erzählt weiter: „Bildung ist essenziell, um für die arbeitenden Kindern bessere Möglichkeiten zu schaffen. Wir bringen den Schulkindern außerdem bei, Geld zu sparen. Zum einen können sie so sehen, wie ihr Geld mehr wird und es lehrt sie auch, Verantwortung zu übernehmen. Das wird sich im wahrsten Sinn des Wortes für den Rest ihres Lebens auszahlen.”

„Ich spare für mein späteres Studium und für meine Familie. Jeden Tag lege ich etwa 20 Cent zur Seite”, berichtet Hemel. Für ihn hat sich das Sparen bereits ausgezahlt: Er konnte sich ein Fahrrad kaufen, das er für den Schulweg und zum Einkaufen nutzt.

Kinderarbeiter Hemel aus Bangladesch mit seinem neuen Fahrrad
Kinderarbeiter Hemel aus Bangladesch mit seiner Lehrerin

Nach drei Unterrichtszyklen am Bildungszentrum kann Hemel wieder die reguläre Grundschule besuchen. Er sagt: „Ich habe ein neues Leben. Ich kann wieder lachen, spielen und lesen.” Seine Lehrerin, Nishat Nahar, erzählt: „Hemel war so gut in seinen Aufnahmeprüfungen, dass er direkt in die vierte Klasse gehen konnte. Er ist jetzt der Drittbeste in seiner Klasse.”

Hemels Eltern ist nun die verheerende Wirkung von Kinderarbeit bewusst und sie sind glücklich über den Erfolg ihres Sohnes. Seine Mutter Helena sagt: „Ich werde hart arbeiten, damit mein Sohn seinen Traum vom Studium erfüllen kann. Wir sind ungebildet, aber Hemel kann uns jetzt wichtige Informationen vorlesen und Briefe für uns schreiben. Wenn ich ihn beobachte, wie er das für uns macht, kommen mir die Tränen. Ich werde ihn nie wieder zur Arbeit schicken.”

Kinderarbeiter Hemel aus Bangladesch mit seiner Mutter
Kinderarbeiter Hemel aus Bangladesch mit seinem Vater

Hemel möchte gerne später bei einer Eliteeinheit der Polizei arbeiten, die Terrorismus und schwere Verbrechen bekämpft. Er wünscht sich, dass es keine Kinderarbeit mehr gibt und dass alle Kinder in die Schule gehen.

Kinderarbeiter Hemel aus Bangladesch mit seinen Eltern
Kinderarbeiter Hemel aus Bangladesch beim Spielen